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Das Fahrradfahren habe ich, Boris, bereits 2006 nach einer Kreuzband-OP für mich entdeckt. Damals die einzige Bewegung, die ich schon kurz nach der OP machen durfte, heute eine Leidenschaft, der ich auch schon eine Zeit lang beruflich als Biking Guide nachgegangen bin. Nun sollte es auch endlich mal eine mehrtägige Tour werden – PRojects goes Bikepacking! 

Die passenden Kunden für solche Unternehmungen haben wir ja, daher habe ich neben meinem eigenen Leichtgewichts-Zelt noch Schlafsack und Matte von NEMO eingepackt, mit Chimpanzee die passenden Energielieferanten (wenn es mal wieder länger dauert) und mit Polartec Delta und Power Dry die richtige Begleitung für eine Tour bei über 30 Grad. 

1. Etappe: Eimsbüttel – Campingplatz Südstrand  

Die Route war mit Komoot schnell gebaut und führte mich am ersten Tag von meinem Wohnort in Eimsbüttel an die Ostsee zum Campingplatz Südstrand in Neustadt. Das Wetter meinte es von Anfang an gut mit mir und die erste Oberschicht wurde bereits nach einer halben Stunde in der Tasche verstaut – ein Baselayer von dhb mit Polartec Delta gab von nun an die Richtung vor. Die eingebaute Kühlfunktion tat erstaunlich gut was sie sollte, vor einem kräftigen Sonnenbrand auf den Schulterblättern schützte sie jedoch nicht. Eincremen wäre hier das Maß der Dinge gewesen. Neben kurzen Zwischenstopps, um die Wasservorräte aufzufüllen, war die erste längere Pause tatsächlich erst nach gut 95km an der Ostsee. Hier gönnte ich mir ein Weizen sowie Matjes-Brötchen und machte mich dann in den Endspurt für diesen Tag. Der Platzwart suchte mir eine schattige Ecke und ich baute mein erstes Lager für die Nacht auf. Nach gut einer Stunde stand alles und ich nahm ein erstes Bad in der Ostsee. Herrlich!  

2. Etappe: Campingplatz Südstrand – Nysted Strand Camping  

Wo am Abend Schatten ist, wird man am Morgen oft mit Sonne geweckt. Ab 5:30 Uhr war an ein weiter schlafen nicht mehr zu denken. Zwar hat es noch keine 30 Grad, aber im Zelt ist es trotzdem unfassbar stickig. Den Schlafkomfort würde ich aber dennoch als recht hoch einstufen. Die NEMO Quasar Insulated Long Wide in Verbindung mit der Switchback Unterlage und dem Riff-Schlafsack mit Thermo Gills ist wirklich eine gemütliche Kombination bei geringem Gewicht. Für einen Städter, der das Zelten zuletzt auf einem Festival in Belgien unter Dauerpromille bewerkstelligt hat, ging es besser als befürchtet. Die Beine machten auch noch einen frischen Eindruck und so machte ich mich langsam ans zusammenpacken. Dies habe ich tatsächlich ein wenig unterschätzt. An und für sich ist es gar nicht verkehrt so früh aus dem Zelt zu fallen, denn bis man geduscht, angezogen, gefrühstückt und das Equipment wieder auf dem Rad verstaut hat, vergehen am ersten Morgen locker 90 Minuten.

Jetzt hieß es erstmal stramm in die Pedale treten, um rechtzeitig auf Fehmarn anzukommen. Zum einen stand der tägliche Corona-Test an und zum anderen habe ich einen alten Weggefährten eingesammelt, der mich für eine Etappe begleiten sollte. Das Wiedersehen wurde bei traumhaftem Strandwetter in der 360 Grad Bar fast zu ausgiebig gefeiert, aber wir sollten es rechtzeitig nach Puttgarden und somit auf die Fähre nach Dänemark schaffen. Dort waren es auch noch mal gute 1,5 Std. im Sattel bis wir auf dem Campingplatz in Nysted ankamen. Da mein Kumpel Ole nicht sein ganzes Equipment für eine Nacht mitschleppen wollte, war hier eine kleine Hütte gebucht, in die ich auch passen sollte. Das spart Zeit und schläft sich auch ganz gut.  

3. Etappe: Nysted Strand Camping – Ferien Camp Börgerende 

An diesem Morgen waren die Taschen schnell gepackt und wir radelten immer noch ganz gut bei Kräften Richtung Nykøbing, wo wir uns nach einem gemeinsamen Mittagessen auch schon wieder verabschieden sollten. Mich führte es von dort Richtung Gedser auf die Fähre nach Rostock und Ole fuhr die gleiche Strecke vom Vortag zurück nach Fehmarn. Die Sonne und der Fahrtwind auf der rund 2 Stunden dauernden Überfahrt ließ ich mir bei einem Kaltgetränk schmecken. Wieder in Deutschland angekommen ging es über Rostock nach Börgerende. Dieses Feriencamp hat mir auf dem ganzen Trip persönlich am besten gefallen und nach der Ankunft sprang ich fröhlich in die Ostsee. Nach ein paar Schlummertrunks ging es ab in den NEMO Schlafsack. Aufgrund der Hitze wurde er aber eigentlich nur aus Kuschelgründen zwischen die Beine geklemmt. Meine Skills beim Auf und Abbau sind spürbar besser geworden und das morgendliche Einpacken und Verstauen der Taschen am Fahrrad nimmt deutlich weniger Zeit in Anspruch. Mit ein wenig Anspannung vor der „Königsetappe“ startete ich in die… 

4. Etappe: Ferien Camp Börgerende – Campingplatz Schwalkenberg 

Bei der Planung der Tour habe ich zusätzliches Gepäck und Hitzewelle nicht bedacht, hielt mich aber dennoch penibel an meine Tourenplanung und stieg am Samstagmorgen gegen 7:30 aufs Rad – 120km und 700 Höhenmeter bis an den Ratzeburger See standen an. Über Kühlungsborn ging es noch eine Zeit direkt an der Ostsee weiter, bevor ich dann langsam Richtung Wismar abgebogen bin. So ein Tag zieht sich dann schon und es wurde jede Möglichkeit genutzt, um Getränke aufzufüllen. Die Sonne brannte brutal und so langsam machten sich die Anstrengungen der Tage zuvor bemerkbar – nicht auszudenken, wie die Hitze mich ohne Polartec Delta vernichtet hätte. Aber es war ja nicht nur Strapaze an dem Tag. Bis auf die ersten und letzten 20km war es wunderbar und ich wurde sogar von einer Art „Oase“ überrascht. Auf einem längeren Abschnitt ohne jegliche Zivilisation tauchte an der Bundesstraße auf einmal „Rita´s Räucherecke“ auf – natürlich kehrte ich hier ein. Von dem anschließenden Plattfuß möchte ich lieber nicht reden. Nur einen Satz einer Dame aus einer von mir geführten Fahrradgruppe zitieren: „Der Platten ist zum Glück unten!“

Der Zieleinlauf an den Naturcampingplatz am Ratzeburger See war kein leichter. Aber nach drei Kilometern Kopfsteinpflaster war ich endlich angekommen – vor Anpfiff des Deutschland Spiels gegen Portugal. So blieb noch genug Zeit eine Pizza zu bestellen und sich mit Rainer und Agnes aus Kiel anzufreunden. Die beiden hatten mit Abstand den größten Fernseher und ich durfte mich mit meinem Klappstuhl dazu setzen. Ein ganzer Campingplatz feierte, je nach Empfang, zeitversetzt das einzig gute Spiel der „Mannschaft“. Das war ein würdiger Abschluss für diesen Tag und ein tolles Erlebnis.  

5. Etappe: Campingplatz Schwalkenberg – Eimsbüttel  

Was ich schon von diversen Fußballspielen kenne, dass der Körper nach intensiver Belastung nachts nicht richtig zur Ruhe kommt, war in dieser Nacht leider auch so. Obwohl stehend k.o. habe ich nur sehr schlecht geschlafen und bin auch wieder früh aus dem Zelt gefallen. Aber einmal die Augen auf, war ich motiviert für die letzte Etappe. Das wohlverdiente Sofa ruft und heute standen nur etwas über 70km an. Geduscht und gepackt wollte ich mich um 6:30 auf den Weg machen und unterwegs ein Frühstück nehmen – der Campingplatz war im Gegensatz zu mir noch im Tiefschlaf. Bis auf zwei weitere Bikepacker, die mich nach dem heutigen Ziel fragten und sich selber noch nicht sicher waren, wie sie den Tag gestalten sollten. Das lag an dem aufkommenden Unwetter. Den schwarzen Himmel hatte ich wohl schon entdeckt, aber dass es drei Stunden Sturm, Gewitter und Starkregen geben sollte, war mir irgendwie entgangen. Laut Regenradar blieb mir noch eine halbe Stunde. Da ich nicht auf dem Campingplatz bleiben wollte, bis es wieder aufklart und mein Körper auch eher dringend die heimischen vier Wände erreichen wollte, plante ich kurzerhand um.

Zum Bahnhof Ratzeburg waren es 25 Minuten und ich kam wirklich mit dem ersten Regentropfen dort an. Dann öffneten sich alle Schleusen und die Hitzewelle der letzten Tage wurde sintflutartig weggespült. Über Lübeck kam ich relativ schnell und problemlos mit der Bahn nach Hamburg. Gönnte mir noch ein Frühstück in Planten un Blomen und war bereits vor zehn wieder zu Hause. Genau richtig für einen verfrühten Mittagschlaf, der sich bis 17 Uhr ausdehnen sollte – gerne wieder.  

Equipment auf zwei Vaude-Radtaschen und einen wasserdichten Rucksack aufgeteilt:  

  • Klappstuhl: Helinox One 
  • Buch: The Big Five For Life